Die Fadenheftung

Das Heften von Büchern ist die Verbindung der einzelnen Papierseiten oder der gefalzten Papierbogen zu einem Heft oder Buchblock. In den meisten Fällen wird dazu ein Faden oder ein Draht verwendet. Man unterscheidet die maschinelle oder industrielle Heftung. Das Heften erfolgt generell nach dem Zurichten der Lagen und dem Anbringen der Vorsätze. Auf das Heften folgt das Ableimen des Buchrückens. Beim Heften ist immer die Fadenstärke und das Papier des Buchblocks zu beachten. Ein zu dicker Faden bei zu hartem Papier führt zu einer zu hohen Steigung im Buchblock, d. h. dass der Buchblock am Buchrücken sehr viel dicker ist als am Vorderschnitt.

Die Geschichte:

Die ersten Heftungen erfolgten ohne Bünde. Das verbindende Glied zwischen den einzelnen Lagen war der Heftfaden. Mit Aufkommen der Holzdeckel war diese Verbindung aber nicht mehr stabil genug; es wurden Bünde eingeführt, die nicht nur den Buchblock stabilisierten, sondern auch zu einer besseren Verbindung zwischen Buchblock und Buchdeckel führten. Diese frühen Heftungen hatten noch keinen Fitzbund; die Aufgabe des Fitzbundes übernahmen zunächst die Kapitale. Sie wurden während der Heftung mit umwickelt.

Frühe Heftungen sind auch die Langstichheftungen, bei denen durch den Einband geheftet wurde. Der außen sichtbare Heftfaden wurde anschließend noch verziert.

Bei anderen mittelalterlichen Heftarten lagen die Bünde auf dem Rücken auf und waren daher auch durch das Einbandmaterial – der feste Rücken – sichtbar und teilten den Rücken in Felder. Erst im 16. und 17. Jahrhundert wurde versucht, einen möglichst glatten Rücken zu erhalten. Man ging dazu über die Bünde im Rücken zu versenken; der Rücken wurde eingesägt. Mit dem Aufkommen der Bänder und des hohlen Rückens konnte ein ebenso glatter Rücken erreicht werden, sodass heute nur noch in Einzelfällen die Bünde im Rücken versenkt werden. Im Laufe der Industrialisierung wurde schließlich auch die Heftung mechanisiert. Durch Heftmaschinen wurde der zeitraubende Prozess des Heftens deutlich verkürzt. Auch heute noch  gilt die Fadenheftung als stabilste Heftung.

alte fadenheftmaschine

Die Fadenheftung:

Bei der Fadenheftung werden die gefalzten Papierbogen, die unterschiedliche Umfänge haben können (häufig 16, 24 oder 32 Seiten) maschinell zu einem zunächst unbeschnittenen Buchblock zusammengetragen. Wichtig ist dabei, dass die Lagen zum Rücken hin geschlossen sind, damit diese den Heftfaden im Bund aufnehmen können.

Dabei führen manuelle oder automatische Anlegersysteme die einzelnen Falzbogen in einen Heftmechanismus, der sie mit einem baumwoll-ummantelten Kunstfaserzwirn zusammenhält. Diese Bindeart gewährleistet den dauerhaftesten Zusammenhalt aller Teile eines Buchblocks.

Fadenheftung-Abb-430px

 Funktionsweise einer Fadenheftmaschine:

Die gefalzten Bogen werden durch Sauger oder durch Keile mit Führungsstangen geöffnet. Sensoren die in der Maschine sind garantieren, dass Seiten in der richtigen Reihenfolge zu einem Buch geheftet werden. Diese Sensoren können dies von außen oder von innen kontrollieren. Die innere Kontrolle hat den Vorteil, dass sie direkt konrollieren können, ob der richtige Falzbogen in der Mitte geöffnet wurde. Bei der Kontrolle von Außen wird durch ein Dickenmesssensor gemessen, ob die mittige Öffnung des Falzbogens vorhanden ist. Falls ein falscher Falzbogen vorhanden ist, hat der Bediener die Möglichkeit, diesen vor dem Vernähen zu entfernen und mit dem richtigen Falzbogen zu ersetzen.

fadenheftmaschine

Anwendungsbereiche der Fadenheftung:

– hochwertige Hardcoverbücher: Bildbände, Chroniken, Präsentationen

– fadengeheftete Softcoverbücher ( z. B. Gebrauchsanleitungen für langlebige Wirtschaftsgüter)

Vorteile:

– besonders lange haltbar, stabil

– sieht ausgesprochen repräsentativ aus

– fadengeheftete Bücher bleiben offen problemlos liegen

– sehr wirtschaftlich

Nachteile:

– teuerste Heftung

– Anordnung der einzelnen Seiten auf mehrlagigen Bogenteilen muss beachtet werden

fertiges buch fadenheftung

 

 

Speak Your Mind

*