Hurenkind und Schusterjunge

Beim automatischen Umbruch von Texten ergeben sich ab und zu Situationen, die ein unharmonisches Schrift- oder Seitenbild liefern und einer Korrektur bedürfen. Hierzu zählen die so genannten Hurenkinder und Schusterjungen.

Hurenkind

Als Hurenkind (auch: Hundesohn oder Witwe) wird die letzte Zeile eines Absatzes bezeichnet, wenn sie gleichzeitig die erste Zeile einer neuen Seite oder Spalte ist. Hurenkinder gelten in der Typografie als schwere Fehler. Sie verursachen Unregelmäßigkeiten und verwirren den Leser. Auch der Lesefluss wird gestört. Aus diesem Grund sollten Absätze früher bzw. später gesetzt werden, sofern der Text das erlaubt oder es möglich ist, in den Text überhaupt einzugreifen.

Hurenkind

Die sogenannte Hurenkinderregelung besagt, dass die letzte Zeile eines Absatzes niemals auf der nächsten (Buch-)Seite stehen darf.

Warum Hurenkind …

Die Entstehung des Ausdrucks ist unklar; vielleicht spielt eine Rolle, dass ein typographisches „Hurenkind“ ebenso wie ein Kind einer Prostituierten unerwünscht, oder dass ein reales Hurenkind im Leben auf sich allein gestellt war, so wie das typographische „Hurenkind“ alleine auf einer Seite steht. Die Eselsbrücke „Ein Hurenkind weiß nicht, wo es herkommt, ein Schusterjunge nicht, wo er hingeht“ könnte auch darauf hinweisen, dass mit der oft unklaren Herkunft eines realen Hurenkinds auf die unklare Herkunft eines typographischen „Hurenkinds“ angespielt werden sollte.

Schusterjunge

Ein Schusterjunge ensteht, wenn eine Seite oder Spalte eines neuen Absatzes nach der ersten Zeile umbrochen wird. Dieser Fehler ist weniger gravierend als das Hurenkind, ist aber trotzdem zu vermeiden. Besonders auffallen wird der Schusterjunge, wenn mit Einzügen gearbeitet wird.

Schusterjunge

Die Schusterjungenregelung besagt, ähnlich wie beim Hurenkind, dass die erste Zeile eines Absatzes niemals am Ende einer Buchseite stehen darf.

Warum Schusterjunge …

Die Entstehung dieses Ausdrucks im ist ebenfalls unklar; vielleicht spielt eine Rolle, dass ein typographischer „Schusterjunge“ sich vorwitzig wie ein realer Schusterjunge auf die vorhergehende Seite wagt.

Eselsbrücke

Für diese beiden Begriffe gibt es Eselsbrücken, die zu erklären versucht, was man sich unter Hurenkind und Schusterjunge vorzustellen hat:

„Ein Hurenkind weiß nicht, wo es herkommt,
ein Schusterjunge nicht, wo er hingeht.“
 

ODER

„Ein Hurenkind hat keine Vergangenheit,
ein Schusterjunge keine Zukunft.“

 

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